Nachkriegszeit

Nachkriegszeit

Der nach 1945 entlassene Pinder wurde durch den als politisch unbelastet geltenden Richard Hamann aus Marburg ersetzt, der das Institut bis 1956 leitete. Als Gastprofessor lehrte hier auch Paul Frankl, der 1934 seinen Lehrstuhl in Halle verloren hatte. Im Lehrangebot der ersten Nachkriegsjahre kehrte der Kanon aus der Zeit vor 1933 wieder; der Epochenbegriff schien die Frage nach dem Nationalen ersetzt zu haben; es fällt auf, dass bis 1949 das Adjektiv „deutsch“ im Lehrplan nicht mehr vorkommt. Nach 1945 spielten die außereuropäischen Teilgebiete, die sich nun institutionell verselbständigten, mit einer Ausnahme jedoch keine Rolle mehr.

1948 wurden die dezimierten Buchbestände zurückgeholt und durch Neuanschaffungen vermehrt (1957: 8000 Buchbestände). 1950 zog das Institut in die Räume des zweiten Obergeschosses im Westflügel des Hauptgebäudes ein, wo es bis 1994 verblieb. Auch die Fotosammlung wurde neu angelegt. Hamann stiftete 50.000 Aufnahmen (Foto Marburg) aus den Mitteln seines Nationalpreises. 1957 belief sich die Diasammlung bereits auf 50.000 Lichtbilder. Zu dieser Zeit studierten etwa 25 Studierende am Institut.

Erst mit der Leitung des Instituts durch Gerhard Strauss im Jahre 1958 wurde die inhaltliche Ausrichtung durch die Etablierung einer Forschungsgruppe „Proletarische Kunst“ im Sinne der Ziele der DDR verändert. In der Lehre dominierte nun die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts.

1970 übernahm Peter H. Feist die Leitung, nachdem in den 60er Jahren der Fortbestand des Instituts ständig gefährdet war. Erst von diesem Zeitpunkt an wurden wieder alle zwei Jahre im Herbstsemester etwa 15 Studierende immatrikuliert. Als Feist 1982 an die Akademie der Wissenschaften wechselte, übernahm Harald Olbrich die Institutsleitung. Dieser betreute als Chefredakteur zugleich die Redaktion des „Lexikon der Kunst“, dessen nachhaltiger Erfolg zu den bleibenden Leistungen der Geisteswissenschaften in der DDR zählen kann. Von 1982 bis 1992 vertrat Hubert Faensen als Inhaber des Lehrstuhls für Osteuropäische Kunstgeschichte die ältere Kunstgeschichte und insbesondere die an den Universitäten der DDR stark vernachlässigten Bereiche byzantinische, frühchristliche und altrussische Kunst am Institut. Parallel dazu leitete er den christlichen Union-Verlag und den für Kunst- und Kulturgeschichte renommierten Koehler & Amelang Verlag, die einer Reihe von Wissenschaftlern des Landes Freiräume für Veröffentlichungen ermöglichten, die in anderen Verlagshäusern der DDR kaum die Chance erhalten hätten, zum Druck zu gelangen.

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