Nationalsozialismus

Nationalsozialismus

Mit dem am Institut tätigen Lehrpersonal wurden viele wichtige Facetten der abendländischen Kunstgeschichte abgedeckt, wobei die Zeit direkt nach 1933 mit der Einbeziehung der Kernräume Deutschland und Italien sowie von Frankreich und den Niederlanden durch Kontinuität gekennzeichnet ist. Allmählich wurde aber das „Deutsche“ in den Vordergrund gesetzt, und das Mittelalter stieg zur bevorzugten Epoche auf. Es ist allerdings generell zu fragen, ob mit diesem Wandel auch eine inhaltliche oder methodische Schwerpunktverlagerung einherging, was durch die Untersuchung von möglicherweise noch vorhandenen Vorlesungsmanuskripten bzw. -mitschriften und detaillierte Analysen der von den jeweiligen Hochschullehrern verfassten Publikationen beantwortet werden könnte.

Dem Gesetz vom 7. April 1933 zum Schutz des Berufsbeamtentums fielen die Professoren Fischel, Griese und Weisbach zum Opfer, denen die Lehrerlaubnis ebenso entzogen wurde wie bis 1935 den Gelehrten Max J. Friedländer, Oskar Wulff, Edmund Hildebrandt und Alfred Neumeyer.

1935 wurde als Nachfolger Brinckmanns, der nach Frankfurt am Main versetzt worden war, Wilhelm Pinder aus München berufen. Die Hintergründe dieses Ordinarienwechsels liegen bis heute im Dunkeln. Laut Brinckmanns Nachkriegsdarstellung war seine eigene internationale Ausrichtung für die Strafversetzung grundlegend, wohingegen sich Pinder eindeutig für den Nationalsozialismus exponiert habe; im Gegensatz dazu steht die These, daß mit Pinders Berufung eine Mäßigung der NS-Kulturpolitik angestrebt werden sollte.

Zum 1. Januar 1937 wurde die Abteilung Kunstgeschichte des Provinzialinstituts für brandenburgische Landes- und Volkskunde eingerichtet und dem Kunstgeschichtlichen Institut angeschlossen. Ziel und Zweck dieser von Pinder geleiteten Institution sind ebenso wenig erforscht wie ihre Einbindung in außeruniversitäre Strukturen. Ein Zusammenhang könnte zu der unter den Nationalsozialisten forcierten Volkstums- und Heimatforschung bestehen.

Pinder, ein hervorragender, aber im Banne der nationalen Ideologie denkender Kunsthistoriker, gehörte zu den einflussreichsten Persönlichkeiten des Faches – etwa als Präsident des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft (seit 1933), als Mitstreiter der Initiative zur Gründung eines Reichsinstituts für Kunstgeschichte, als Verantwortlicher für das Fach innerhalb des Kriegseinsatzes der Geisteswissenschaften sowie als Repräsentant des Faches. Dem ihm anhaftenden Ruf, „Hitlers Kunsthistoriker“ (Neue Zeitung, 7.12.1945, S. 3) gewesen zu sein, steht seine Verteidigung der sogenannten Entarteten Kunst gegenüber.

Unter dem Ordinariat Pinders zählte das Berliner Institut zwar immer noch durchschnittlich zehn Hochschullehrer, aber von den 1933 dort tätigen Kollegen waren nur noch zwei Personen vertreten, die beide Mitglieder der NSDAP waren. Zwischen 1935 und 1940 gab es etwa 80 Studierende am Seminar, ab 1940 sinkt die Zahl durch Einberufung. Im November 1943 wurden die Räume des Kunstgeschichtlichen Seminars durch Bomben völlig zerstört, sämtliche Bestände des Instituts wurden vernichtet, nur Diapositive zur französischen Kunst, zum 19. Jahrhundert und 5000 ausgelagerte Bände der Bibliothek blieben erhalten. 1945 fanden fast keine Vorlesungen mehr statt.

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