Patterns of Orientation: Laterale Deixis und Betrachterpositionierung in der frühneuzeitlichen Kunstbeschreibung

Patterns of Orientation: Laterale Deixis und Betrachterpositionierung in der frühneuzeitlichen Kunstbeschreibung

Projektleitung: Dr. Stefano de Bosio

Förderung: DFG

Wie orientiert Sprache unsere Erfahrung von Bildern? Das Projekt untersucht eine bislang wenig beachtete Dimension der frühneuzeitlichen Kunstbeschreibung: die Verwendung lateraler Deixis, also verbaler Verweise auf „links“ und „rechts“, in Beschreibungen von Kunstwerken. Solche Ausdrücke sind keineswegs neutral, sondern strukturieren aktiv, wie sich Betrachter:innen in Relation zu Bildern positionieren und wie sie sich kognitiv und imaginativ auf diese einlassen.

Im Fokus stehen europäische Texte der Kunstbeschreibung vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert. Das Projekt verbindet kunsthistorische, sprachhistorische und kognitionswissenschaftliche Ansätze, um zu analysieren, wie verbale Beschreibungen als Instrumente der Orientierung fungieren. Auf der Grundlage eines mehrsprachigen Korpus und durch die Kombination von close reading und digitalen Methoden rekonstruiert es historisch spezifische Modi des Sehens, die sich deutlich von modernen, betrachterzentrierten Wahrnehmungsweisen unterscheiden. Darüber hinaus zeigt das Projekt, dass unterschiedliche Muster lateraler Deixis mit unterschiedlichen ontologischen Bestimmungen des Kunstwerks einhergehen – als „belebte“ Entität, als strukturierter Raum, in dem Betrachter:innen implizit positioniert sind, oder als Objekt der Beobachtung.

Durch die Verbindung von Kunstgeschichte, historischer Linguistik, Bildtheorie und digitalen Methoden zielt Patterns of Orientation darauf, eine historisch fundierte Analyse zu entwickeln, wie Sprache sowohl immersive als auch distanzierte Modi der Betrachterpositionierung in der frühneuzeitlichen europäischen Kunst strukturiert und reflektiert.