Klimagipfelkunst. Kunst und politisches Event, 1972-2022

Klimagipfelkunst. Kunst und politisches Event, 1972 – 2022

Projektleitung: Dr. Linn Burchert

studentische Mitarbeiterin: Ann-Charlotte Neumann

 

Förderung

DFG

Bereits den ersten Weltklimagipfel 1972 in Stockholm und die erste Conference of Parties (COP1) der Vereinten Nationen 1995 in Berlin nahmen Künstler*innen zum Anlass für künstlerische Werke, die sich mit Umweltschutz auseinandersetzen. 1995 hatten die United Nations (UN) die COPs als ein jährliches internationales Verhandlungsforum von Delegierten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zu Maßnahmen angesichts des Klimawandels etabliert. Die zahlreichen Kunst- und Ausstellungsprojekte, die anlässlich der Klimakonferenzen traditionell den Stadtraum und verschiedene Institutionen bespielen, stellen eine etablierte Begleiterscheinung der Gipfeltreffen dar. Dieses Phänomen, dessen Geschichte und Ausformungen sind bislang unerforscht. Es steht paradigmatisch für neue Verhältnisse der Künste zu Politik, Gesellschaft und Wirtschaft seit den 1960er Jahren. Das beantragte Projekt macht sich vor diesem Hintergrund zur Aufgabe, Positionierungen und Institutionalisierungen von Kunst im Rahmen von politischen Veranstaltungen am Beispiel der internationalen Klimagipfel zu untersuchen. Das Vorhaben ist zum einen von der Beobachtung getragen, dass sich seit Beginn der 1990er Jahre ein neuer Typus von Kunstausstellungen herausbildet, der die Klimakonferenzen anlassbezogen und thematisch begleitet. Zum anderen reagieren Künstler*innen vermehrt seit den 2000er Jahren auch individuell auf die politischen Großevents – mit Performances, skulpturalen Interventionen im Stadtraum, Partizipationskunst und Aktivismus. In der Untersuchung dieser Projekte wird einem wesentlichen methodischen Desiderat in der Kunstgeschichte begegnet: Kuratorische und künstlerische Konzepte werden in ihrer institutionellen Verortung und innerhalb kulturpolitischer und sozialer Rahmenbedingungen analysiert, um einen umfassenderen Blick auf die Bedingungen des Ausstellens und künstlerischer Praktiken zu gewinnen. Das Vorhaben ist von der These getragen, dass Ausstellungen und künstlerische Projekte zum Thema Klimawandel im Kontext eines politischen Medienevents nicht als rein kunstinterne Entwicklungen zu betrachten sind. Vielmehr tragen materielle und institutionelle Voraussetzungen, wie z.B. die Verortung innerhalb bestimmter kulturpolitischer Rahmen- und Förderprogramme, wesentlich zur Entstehung sowie spezifischen Ausgestaltung von Projekten bei. Die vorhandenen und potenziellen Infrastrukturen bestimmen maßgeblich, welche Kunst in welcher Form an die Öffentlichkeit tritt. Die Studie verspricht einerseits einen neuen Blick auf das Phänomen ökologisch engagierter Kunst. Innerhalb des historischen Rahmens von fünfzig Jahren (1972–2022) wird zudem einer Geschichte der politischen Funktion bestimmter Kunstpräsentationen ebenso wie dem Phänomen der Globalisierung von Kunst nachgegangen. Insgesamt wird eine modellhafte Studie für eine kontextbewusste Kunstgeschichtsschreibung entstehen, die kunsthistorische Analysen mit kunstsoziologischen Fragen verbindet.