Symposium: „Medium Matters: Transformationen des Kunstwerks in Moderne und Gegenwart“

Datum/Zeit
Date(s) - 15/11/2019 - 16/11/2019
Ganztägig

Veranstaltungsort
IKB - Institut für Kunst- und Bildgeschichte
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Symposium
„Medium Matters: Transformationen des Kunstwerks in Moderne und Gegenwart“

Berliner Graduierten-Symposium für moderne und zeitgenössische Kunstgeschichte
Freie Universität Berlin / Humboldt-Universität zu Berlin

 

Konzeption und Organisation:
Prof. Dr. Eric C. H. de Bruyn, Prof. Dr. Eva Ehninger, Johanna Függer-Vagts Mag.a und Dr. André Rottmann mit Louisa Denker, Johanna Engemann und Lara Pfister

Fr. 15. November
Zeit: (10-20 Uhr)
Ort: Freie Universität Berlin, Kunsthistorisches Institut, Koserstraße 20, 14195 Berlin

Sa. 16. November
Zeit: (10-18 Uhr)
Ort: HU Berlin, IKB, Raum 0.12 (Georgenstr. 47)

Keynote:
Prof. Dr. Ursula Frohne (Institut für Kunstgeschichte, Westfälische Wilhelms-Universität Münster) am 15. November 2019, 18-20 Uhr
Freie Universität Berlin, Kunsthistorisches Institut, Koserstraße 20, 14195 Berlin, Hörsaal B

Das Programm wird im Oktober bekannt gegeben.

In Kooperation zwischen dem Arbeitsbereich Neueste Kunstgeschichte / Modern and Contemporary Art des Kunsthistorischen Instituts der FU Berlin und dem Lehrbereich Kunstgeschichte der Moderne des Instituts für Kunst- und Bildgeschichte der HU Berlin findet im Wintersemester 2019/2020 erstmals das gemeinsame Berliner Graduierten-Symposium für moderne und zeitgenössische Kunstgeschichte statt.

Ziel der jährlichen Nachwuchstagung ist es, fortgeschrittenen Master-Kandidat/innen und Promovierenden zu Beginn der Dissertation die Möglichkeit eines intensiven Austauschs über geplante und laufende Projekte im Forschungsfeld der Geschichte und Theorie künstlerischer Praktiken und visueller Phänomene von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart zu bieten. Die fachliche Diskussion soll dabei jeweils durch ein übergeordnetes Thema der Veranstaltung gerahmt werden.

Unter dem Titel Medium Matters: Transformationen des Kunstwerks in Moderne und Gegenwart ist das diesjährige Graduierten-Symposium dem Verhältnis, den Divergenzen und Verflechtungen von künstlerischen und technischen Medien gewidmet.

Die Kunstgeschichte der Moderne und Gegenwart lässt sich ohne eine Reflexion der Medien, in denen sich ihre Gegenstände manifestieren, nicht schreiben. Bereits seit Mitte der 1970er-Jahre hat die kunsthistorische Forschung aus diversen Perspektiven zu analysieren versucht, inwiefern traditionelle künstlerische Medien wie Malerei, Skulptur, Druckgraphik und Zeichnung – und die mit ihnen verbundenen Konzepte der Autor/innenschaft, künstlerischen Praxis, Kompetenz und ästhetischen Erfahrung – durch Techniken der Reproduktion, Speicherung und Übertragung zunehmend herausgefordert wurden.

Während in der Auseinandersetzung mit der Kunst der Moderne diesbezüglich vor allem auf den veränderten Stellenwert von Mimesis, Repräsentation und künstlerischen Fertigkeiten fokussiert wurde – von Debatten zur Fotografie ab dem 19. Jahrhundert über die Dekonstruktion von Bild und Objekt durch die Avantgarden zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis hin zur modernistischen Apologie der Abstraktion als Negation massenmedialen Kitsches und zur Krux minimalistischer Buchstäblichkeit –, machen zahlreiche künstlerische Praktiken der Gegenwart eine grundlegende Erweiterung oder Transzendierung des Medienverständnisses der Kunstgeschichte erforderlich, die über Konzepte der Medienspezifik weit hinausgehen.

Spätestens in Folge einer „Demateralisierung“ des Kunstwerks – in der rückwirkend oftmals der Beginn der Gegenwartskunst gesehen wird – schienen ästhetische Praktiken nun nicht länger „medienspezifisch“, sondern „generisch“ zu verfahren (Thierry de Duve), d. h. weder an etablierte Konventionen noch validierte Materialien gebunden zu sein. Unter solchen „postmedialen“ (Rosalind E. Krauss) Bedingungen treten ab Mitte der 1960er-Jahre Fotografie, Video und Film, Texte bzw. Typographien und Diagramme, Sounds und Noise sowie schließlich computer-generierte Arbeiten und Installationen nicht mehr nur in einen Konflikt zu den tradierten Medien, sondern zunehmend an deren Stelle. Parallel zeigt sich in Praxis und Theorie aber die Tendenz, eben dieser Erweiterung des künstlerischen Feldes im Namen immer neuer technologischer Möglichkeiten (inklusive „virtual“ oder „augmented reality“) mittels einer Betonung der Obsoleszenz, Materialität und mnemonischen Matrix konkreter Verfahren und Vorrichtungen (wie analogen Film- oder Diaprojektionen, manuell gefertigten Animationsfilmen oder Textilien) zu begegnen. Diese Gegenbewegung betrifft noch die sogenannte „post-internet art“ und kinematographische Praktiken nach dem „documentary turn“.

Im Zeitalter seiner mechanischen wie digitalen Reproduzierbarkeit scheinen De- und Rematerialisierungen des Kunstwerks in Rekursionen, die nicht mehr durch eine Dialektik von Massenmedien und (Neo-)Avantgarden theoretisch zu bewältigen sind, aufeinander bezogen zu sein; vielmehr werden alternative methodische Zugänge zu den Materialitäten künstlerischer Produktion erforderlich. In diesem Sinne beabsichtigt das Graduierten-Symposium 2019, die in den vergangenen Jahren international begonnene, interdisziplinäre Debatte zwischen zeitgenössischer Kunstgeschichte und Medienwissenschaft fortzuführen und zu intensivieren.

Kontakt:
Johanna Függer-Vagts Mag.a, Humboldt-Universität zu Berlin
johanna.fuegger-vagts@hu-berlin.de