Fundstück #14

#14 Eine verschwundene Galerie

Foto: unbekannt

Dieses Großdia aus der alten Lehrdiasammlung stammt wohl aus den 1920er oder 30er Jahren und ist nicht beschriftet, sondern besitzt nur einen kleinen weißen Aufkleber als Markierung, wie es in den Projektor zu stecken ist. Es zeigt eine menschenleere Gemäldegalerie, die nicht ohne Weiteres zu identifizieren ist. Sofort wiederzuerkennen sind darin aber Teile eines Weltkunstwerks, nämlich einige Tafeln des Genter Altars von Hubert und Jan van Eyck, der heute wieder an seinem ursprünglichen Bestimmungsort in der St. Bavo-Kirche in Gent, Belgien, zu bewundern ist.

Dass das Dia im Schrank “Berlin” aufbewahrt wird, mag zunächst erstaunen, erklärt sich aber dadurch, dass sich Tafeln des Genter Altars in Berlin befanden, teils ergänzt um Kopien der fehlenden Stücke. Für unser Dia ist das natürlich ein Hinweis darauf, dass es sich um eine Darstellung aus der Zeit handelt, in der die Tafeln im Besitz der Berliner Gemäldegalerie waren. Die Abbildung zeigt tatsächlich die Hängung im Alten Museum, bevor die Gemäldegalerie 1904 in das Kaiser-Friedrich-Museum, das heutige Bode-Museum, umzog.

Die lange Geschichte vom Kauf der Tafeln 1821 (Schinkels Museum war noch nicht einmal gebaut!) bis zu ihrer Abgabe im Rahmen des Versailler Vertrags 1920 kann hier nicht wiedergegeben werden; sie ist jüngst von Stephan Kemperdick und Johannes Rößler im Ausstellungskatalog “Der Genter Altar der Brüder van Eyck. Geschichte und Würdigung” Petersberg 2014, dargestellt worden. Dort finden sich auch Einzelinformationen, etwa dass es im Alten Museum einen Durchblick auf die Rückseiten aus dem Nebenraum gab, da die Vorder- und Rückseiten noch nicht für eine Nebeneinander-Hängung gespalten waren.

Die Raumansicht, die man in der schwarzweißen Wiedergabe des Glasdias auf den allerersten Blick wegen der stringenten Perspektive für ein retouchiertes Foto halten könnte, ist tatsächlich ein Gemälde von Karl Bennewitz von Loefen d.J., das zu Beginn der 1880er Jahre entstand. Dabei handelt es sich um die einzige Abbildung, die die museale Präsentation des Genter Altars in Berlin zeigt, d.h. es ist kein einziges Foto von dieser Präsentation bekannt. Das Dia, von dem die Mediathek zwei fast identische Exemplare besitzt, wurde vermutlich vom Original des Gemäldes entweder vom Instituts- oder vom Museumsfotografen für eine Vorlesung abfotografiert. Wie die einzelnen Tafeln des Altars heute aussehen, kann man hervorragend auf der Seite http://closertovaneyck.kikirpa.be/ betrachten.

(GS)

(Link zum Datensatz: http://imeji-mediathek.de/imeji/item/hxpF6TE8l8doLQDp)

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