Gründung

Gründung

Die Berliner Universität hat eine markante Stellung in der Etablierung des Faches Kunstgeschichte eingenommen. Alois Hirt wurde im Jahr 1810 an die Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität berufen, somit gehörte die Kunstgeschichte zu den ersten Fächern, die an dieser Reformuniversität etabliert wurden.

Dieser Akt war das Gründungsdatum der Kunstgeschichte als einer akademischen Disziplin. Hirt hat das Fach in einem umfassenden Sinn verstanden, der die Archäologie teils mit einschloss, das Gros seiner Lehrveranstaltungen und Publikationen aber der Kunstgeschichte widmete. Er hat sich hohe Verdienste um die Errichtung von Schinkels Altem Museum erworben, und daher war von Beginn an eine enge Verbindung von Universität und Museum gegeben. Diese Bindung wurde kontinuierlich weitergeführt. Von den Kustoden des Museums nahm Gustav Hotho eine Privatdozentur an der Berliner Universität wahr, während Gustav Friedrich Waagen im Jahre 1844 eine außerplanmäßige Professor erhielt, um eine Brücke zwischen der musealen Geschmacksbildung und der akademischen Ausbildung zu schlagen . Dieser erste Ansatz zu einer Akademisierung der Kunstgeschichte wurde durch die Berufung Herman Grimms auf den kunstgeschichtlichen Lehrstuhl im Jahre 1873 sowie durch die im Jahr 1875 erfolgte Gründung eines eigenen kunsthistorischen Instituts auch formell besiegelt.

Grimm war Vertreter einer kulturhistorisch-künstlerbiografischen Betrachtung mit besonderer Berücksichtigung Italiens (Michelangelo, Raffael). Erstmalig für eine deutsche Universität ließ er im Jahr der Institutsgründung einen “Apparat für neuere Kunstgeschichte” einrichten. Grimms unverwechselbarer Impuls für das Fach lag in seiner Nutzung der modernen Medien wie Fotoreproduktion und Diaprojektion. Schon 1893 konnte ein eigenes Fotolabor eingerichtet werden, das dazu beitrug, aus dem zunächst relativ kleinen Institut ein wissenschaftliches Zentrum kunstgeschichtlicher Forschung zu machen.

Dies galt umso mehr, als 1901 Heinrich Wölfflin die Leitung des “Apparates” für Neuere Kunstgeschichte übertragen wurde. Bis zu seinem Weggang im Jahre 1912 trug er dazu bei, das kunstgeschichtliche Institut Berlins in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum größten in Deutschland zu machen. 1912 umfassten die Diapositivsammlung 15000 Lichtbilder und die Bibliothek 1300 Bände. Während 1875 nicht mehr als 9 Studierende am Institut studierten, waren es im Wintersemester 1911 schon 59, davon 14 Frauen. Während Wölfflins Ordinariat wurden 25 Dissertationen eingereicht, dagegen nur 9 zwischen 1891 und 1900. 1912 wurde für die Studierenden auch der allgemeine Zeichenunterricht eingeführt. Das Institut war in diesem Zeitraum personell gut ausgestattet, wobei die hohe Zahl leitender Museumsdirektoren, die als Honorarprofessoren die Lehre prägten, weiterhin ein besonderes Kennzeichen bildeten. Auch hierdurch wurde das Institut zu einem “Olymp” des Faches (Metzler Kunsthistoriker-Lexikon, 1999, S. 3109).

Mit dem Ordinariat von Wölfflin und jenem von Adolph Goldschmidt (1912-1930) wurde die Berliner Kunstgeschichte mit zwei herausragenden Vertretern des Faches besetzt, in deren Arbeiten sich zwei unterschiedliche und das ganze Fach prägende methodische Ansätze im Verständnis der Kunstwissenschaft exemplarisch niedergeschlagen haben: das vergleichende Sehen und die Sachforschung vornehmlich des Mittelalters. Beide Repräsentanten wurden in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen.
Unter Goldschmidt wurden 1914 erstmals Mittel zur Durchführung von Exkursionen bewilligt. Unter seinem Ordinariat vergrößerte sich das Seminar weiter: 1926 umfasste das Seminar 15000 Diapositivplatten und 5000 Bände bildeten die Bibliothek, daneben gab es zahlreiche Fotografien.
Goldschmidt scharte Wissenschaftler um sich, die wie Oskar Wulff (1917-36, altchristliche und byzantinische Kunst), Werner Weisbach (1921-33, barocke Kunst, Städtebau), Leopold Giese (1924-37, Geschichte der Architektur, altchristliche, mittelalterliche Kunst) und Oskar Fischel (1918-33, italienische Kunst) das Spektrum der Forschung und Lehre wesentlich verbreiterten.

Zum Wintersemester 1931 übernahm Albert Erich Brinckmann aus Köln das Ordinariat (1931-1935). Er veranlasste die Modernisierung des Instituts und ließ Umbauten vornehmen. 1934 umfasste allein die Diathek 54000 Diapositivplatten, und insgesamt stellte sich das Institut als eines der modernsten in Deutschland dar.

Ein besonderes Kennzeichen des Berliner Instituts in der Zwischenkriegszeit stellen seine Verbindungen zu den zahlreichen Museen in der Hauptstadt dar, was sich in der Tatsache äußerte, dass viele leitende Museumsdirektoren Honorarprofessuren bekleideten. Sie haben die Lehre ebenso wie das wissenschaftliche Profil des Instituts geprägt. Hervorzuheben ist dabei der Beitrag jener Wissenschaftler, die sich mit russischer, byzantinischer, islamischer und ostasiatischer Kunst sowie der Kunst der Südseevölker beschäftigt haben.

 

GründungNationalsozialismusNachkriegszeit