Digitale Dilettanten – Computer Vision als Kennerschaft

Digitale Dilettanten – Computer Vision als Kennerschaft

Das Vorhaben widmet sich mit der Computer Vision einem Feld digitaler Bildkultur, das derzeit rasante Fortschritte erzielt. Als Teil der Künstlichen Intelligenz-Forschung mit künstlichen neuronalen Netzen zeichnet es sich zugleich durch ein erstaunliches Theorievakuum aus. Genau hier setzt das vorliegende bild- und wissensgeschichtliche Vorhaben an, das die theoretische Dimension des digitalen Sehens und Erkennens von Bildern aus der Kunstgeschichte heraus bestimmen möchte. Die These ist, dass sich aus den Verfahren kunsthistorischer Kenner ein Schlüssel zum Verständnis der Black Box ‚Computer Vision’ und mithin zu einer Kritik der digitalen Bildkultur gewinnen lässt.

Das Vorhaben analysiert anhand der Schriften früher ‚nicht-akademischer’ Kunstkenner und ihrer Kritiker, mittels der beschriebenen Praktiken, aber auch Porträts und Karikaturen, welche skopischen Strategien und Bedingungen das kennerschaftliche Sehen bestimmten. Ziel des Vorhabens ist es, auf einer historischen Ebene eine Neueinschätzung der Kennerschaft zu entwickeln, die in theoretischer Hinsicht eine neue Form visueller Epistemologie liefern wird. Aus der historisch-theoretischen Analyse sollen schließlich Kriterien für eine Kritik KI-basierter Bildanalyse erarbeitet werden. Zusammengenommen wird dies ein Modell heutiger Computer Vision ergeben, dessen methodische Originalität darin besteht, einen Zugang zu avancierter Digitalität der Gegenwart aus einer als konservativ geltenden Position der Vergangenheit heraus zu entwickeln: der Figur des Kenners.

Projektleiterin

Dr. Margarete Pratschke

Förderung

VolkswagenStiftung in der Förderlinie Originalitätsverdacht