Netzwerktreffen

Netzwerktreffen

1. Netzwerktreffen: „Feministische Kritik der Disziplingeschichte“ (SoSe 2020)

29. – 30. September 2020

Beim ersten virtuellen Netzwerktreffen stellten die Netzwerkmitglieder ihre Forschungsprojekte in Kurzreferaten vor, um sich einen Überblick über gemeinsame Fragestellungen, Schwerpunkte und Schnittstellen zu verschaffen. Irene Below, Barbara Paul und Renate Berger waren als externe Expertinnen eingeladen, da sie Fragen und Probleme einer kritischen Kanonrevision und der Aufarbeitung des Beitrags von Kunsthistorikerinnen zur Fachgeschichte seit den 1970er Jahren adressiert und die feministische bzw. gendertheoretische Kunstgeschichte im deutschsprachigen Raum maßgeblich geprägt haben. Grundlegende Texte dieser Autorinnen wurden in diesem Zusammenhang gelesen und diskutiert. So auch Heinrich Dillys Kunstgeschichte als Institution, zur Analyse der Kunstgeschichte als sozialer Gemeinschaft sowie der Mechanismen der Kanonbildung. So sollten Forschungslücken ausgemacht werden, ebenso wie die Fallstricke kunsthistoriografischer Frauenforschung, und mögliche methodische Ansätze einer feministischen und gendertheoretischen Kritik der Diziplin(geschichte) erarbeitet werden. Die anleitende Frage war dabei, wie der tradierte disziplinäre Referenzrahmen aufgebrochen und polyperspektivisch neu bestimmt werden kann.

Barbara Paul ist Professorin für Kunstgeschichte an der Universität Oldenburg, mit dem Schwerpunkt Moderne und Gender. Forschungsschwerpunkte u.a.: Geschichte und Theorie der Kunstgeschichte/-wissenschaft; kunstwissenschaftliche Geschlechterforschung; Queer Studies: queere ästhetische Praktiken und Politiken.

Irene Below war bis 2004 Dozentin an der Universität Bielefeld. Mitglied der AG „Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts“ am Ulmer Verein und der AG „Frauen und Exil“ der Gesellschaft für Exilforschung. Arbeit zur Kunstgeschichtsdidaktik, Exilforschung, feministischen und postkolonialen Kunst- und Kulturwissenschaft, Siedlungsarchitektur der 1920er Jahre sowie zur Kunst und Kunstgeschichte um 1968.

Renate Berger war bis 2012 Professorin an der Universität der Künste Berlin und lebt seitdem als freie Autorin in Berlin. Publikationen zu Künstlerinnen des  18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, Biografik und Autobiografik, Freundschaft,  Ausdruckstanz, Männlichkeitskonzepte der Moderne, Literatur-, Film-, Kunst-  und Kulturgeschichte der 1920er Jahre.


2. Netzwerktreffen: „Kunsthistorikerinnen in Bewegung: Migration, Transfer und transkulturelle Forschung“ (WS 2020/21)

29. – 30. März 2021

Im Zentrum des zweiten Workshops des Netzwerks „Kunsthistorikerinnen 1880–1970“ stehen Künstlerinnen, Kunsthistorikerinnen und Kulturaktivistinnen, die sich von etwa 1910 bis in die 1970er Jahre mit hybriden, migrantischen oder ‚indigenen‘ Kunst- und Architekturformen befasst haben. Wenn auch die Künste und Kulturen über alle Kontinente und durch die Zeitgeschichte verstreut sind, und auch die Methoden und Forschungsinteressen der Protagonistinnen keineswegs einheitlich sind, eint diese Kunsthistorikerinnen, dass sie selbst migriert sind oder sich einer Gemeinschaft zuzählten, deren Kultur von erzwungener Migration geprägt ist, wie die jüdische und die afro-amerikanische.

In unseren Untersuchungen migrierender und migrierter Kunsthistorikerinnen werden mikrohistorische Studien mit strukturellen Fragen verschränkt. So hoffen wir besser zu verstehen, wie sie sich mit europäischen und US-amerikanischen Perspektiven auseinandersetzten, an Kunstinstitutionen rieben und ihren Theorien Sichtbarkeit und Legitimität verliehen. Welcher Kunstbegriff lag ihrer Forschung zugrunde, und welchen kulturpolitischen Effekt hatte ihre Arbeit bzw. wie gingen sie mit Fragen kultureller ‚Übersetzung’ um? Welche Rolle spielte Geschlecht für die Akteur*innen an der Schnittstelle zwischen Ethnologie, (Welt-)Kunstgeschichte, architektonischer und künstlerischer Praxis? Forschten sie als ‚Außenstehende’ (etisch) oder aus der Position einer ‘Insiderin’ (emisch) – und was bedeutet die jeweilige Perspektive für die mögliche Ausrichtung und Wirkung ihrer Arbeit?

Zwei Mitglieder des Netzwerkes werden ihre aktuelle Forschung hierzu in Werkstattberichten vorstellen und diskutieren (Brigitte Sölch: Materielle Kultur- und Architekturforschung. Zum Neustart der Ostasienexpertin Eleanor v. Erdberg-Consten im Deutschland der 1950er Jahre; Jo Ziebritzki: Kunsthistorikerinnen der Wiener Weltkunstgeschichte). Zusätzlich werden anlässlich von drei Vorträgen eingeladener Expert*innen zu transkulturellen, postkolonialen und designgeschichtlichen Fragen die Schnittstellen zwischen (Welt-)Kunstgeschichte, Ethnologie und Aktivismus theoretisch und methodisch kontrovers diskutiert.

Brenda Danilowitz: Anni Albers, Textile Origins, and Weaving as a Modern Project

Abendvortrag: 29. März 2021, 18 Uhr c.t. / Public lecture, March 29, 2021, 6:15 pm (CET)

Anni Albers began her career as a novice in the Bauhaus Weaving Workshop in Weimar in 1923. Buffeted by the social, political, and economic turbulence of her times she found order and system in the art of temporally and geographically distant cultures and a creative process that had remained fundamentally unchanged over thousands of years. My talk will attempt to trace the creative journey that tied the examples of early Andean weavers of Peru to Anni Albers’s own practice as a twentieth century artist.

(For registration please follow this link (> link to the event on website))

Brenda Danilowitz ist Kunsthistorikerin und seit 1999 leitende Kuratorin der Josef and Anni Albers Foundation. Sie hat Kunstgeschichte in Südafrika unterrichtet, sowie an der Yale University und den Universitäten von Hartford und Connecticut. Seit 1989 ist sie Kuratorin an der Albers Foundation, von wo aus sie zahlreiche Ausstellungen und Publikationen realisiert hat.

Christian Kravagna: Samella Lewis und die afroamerikanische Kunstgeschichte

Vortrag für Mitglieder des Netzwerks, 30. März 2021.

Christian Kravagna ist Kunsthistoriker und Kurator. Er ist Professor für Postcolonial Studies an der Akademie der bildenden Künste Wien mit Schwerpunkten in Postcolonial Studies, Globale Moderne, Migration, Repräsentations- und Institutionskritik. 2005 bis 2014 künstlerischer Leiter (mit Hedwig Saxenhuber) des Kunstraum Lakeside in Klagenfurt. Autor der Bücher Transmoderne: Eine Kunstgeschichte des Kontakts (2017) und Das amerikanische Museum: Sklaverei, Schwarze Geschichte und der Kampf um Gerechtigkeit in Museen der Südstaaten (mit Cornelia Kogoj, 2019).

Monica Juneja: Das „koloniale Unbewusste“ als Grundlage für eine transkulturell ausgerichtete Kunstgeschichte – weiter denken mit Viktoria Schmidt-Linsenhoff

Vortrag für Mitglieder des Netzwerks, 30. März 2021.

Monica Juneja ist Professorin für Globale Kunstgeschichte am Heidelberger Zentrum für Transkulturelle Studien der Universität Heidelberg. Ihre Forschungsschwerpunkte sowie Publikationen umfassen Transkulturalität und Praktiken der visuellen Repräsentation, politische Ikonographie und Geschlecht sowie die Entstehung der Kunstgeschichte im kolonialen und postkolonialen Indien. Ihre jüngste Monographie Can Art History be made Global? Meditations from the Periphery erscheint im Herbst 2021 bei De Gruyter.

Herausgeberin der Reihe Visual and Media Histories (Routledge Verlag), Mitherausgeberin von Ding, Materialität, Geschichte (Böhlau Verlag), Ästhetische Praxis (Fink/Brill) sowie der Zeitschrift Transcultural Studies.

Hauptverantwortlich für Organisation und Durchführung: Jo Ziebritzki


3. Netzwerktreffen: “Die Professionalisierung früher Kunsthistorikerinnen vor 1933 sowie die Wege jüdischer Kunsthistorikerinnen und politischer Dissidentinnen ins Exil ab 1933” (WiSe 2021/22)

Hochschule für bildende Künste Hamburg

26.-27. November 2021

Am Nachmittag des 26. Novembers fand ein Gespräch mit Tulga Beyerle im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe statt, in dem u.a. die von ihr und Klara Nemeckova kuratierte Ausstellung “Gegen die Unsichtbarkeit. Designerinnen der Deutschen Werkstätten Hellerau” besprochen wurde, die 2018 im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden stattgefunden hat. Dies war der Ausgangspunkt, sich gemeinsam über Berufswege von Gestalterinnen und Design-Theoretikerinnen im frühen 20. Jahrhundert auszutauschen und die vielfältigen Gründe für ihre heutige Unsichtbarkeit in der Geschichtsschreibung zu diskutieren.

Am Abend hielt Ulrike Wendland als eingeladene Expertin einen öffentlichen Vortrag. Sie stellte ihre Recherchen zum Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil von 1998 vor und verglich dabei die Biografien weiblicher und männlicher Kunsthistoriker*innen im Hinblick auf ihre Wege in den Beruf und ab 1933 ins Exil. Dabei wurden insbesondere die Vorteile eines statistischen Zugangs zur Annäherung an sozialhistorische Fragen diskutiert, sowie die Problematik der Gruppenbildung im Hinblick auf Personen mit jüdischem Kultur-Hintergrund innerhalb dieser Erhebungen. Oral History wurde als alternativer bzw. ergänzender Ansatz vorgeschlagen, um der Spezifik einzelner Biografien und dem Selbstverständnis der historischen Akteur*innen Tribut zu zollen.

Dr. Ulrike Wendland ist Kunsthistorikerin, Denkmalpflegerin und seit 2020 Geschäftsführerin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz. 1996 verfasste sie ihre Dissertation an der Universität Hamburg über deutschsprachige Kunsthistoriker*innen im Exil. Hieraus ist das zweibändige Biographische Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil. Leben und Werk der unter dem Nationalsozialismus verfolgten und vertriebenen Wissenschaftler (1999) hervorgegangen, das bis heute eine der wichtigsten Grundlagen für die Erforschung des Werks und der Karrierewege früher Kunsthistorikerinnen aus dem deutschsprachigen Raum darstellt. 2002–2020 war Wendland als Landeskonservatorin, zunächst im Saarland und ab 2005 in Sachsen-Anhalt, tätig.

Freitag, 26. November 2021, 18:30 Uhr: Vortrag: Daten und Gedanken zur Familien- und Bildungsgeschichte emigrierter Kunsthistorikerinnen

An beiden Tagungstagen gab es zudem Werkstattberichte von Netzwerkmitgliedern:

Leonie Beiersdorf stellte ihre Forschungen zur Kunstkritikerin und Kuratorin Rosa Schapire vor, mit einem Schwerpunkt auf Schapires Arbeit zum Kunsthandwerk und ostasiatischer Kunst, sowie ihrem Weg ins Exil.

Henrike Haug präsentierte den Stand ihrer Forschungen zu den Professionalisierungswegen von Kunsthistorikerinnen, am Beispiel von Helene Wieruszowksi und Agnes Goschen.

Burcu Dogramaci präsentierte ihr aktuelles Projekt über frühe Galeristinnen.

Zudem diskutierten wir Cordula Bischoffs Aufsatz „Arbeitsfeld Kunstgewerbe – typisch Kunsthistorikerin? Bemerkungen zur Berufssituation der Kunsthistorikerin in Deutschland von 1910 bis heute“, in: Um-Ordnung. Angewandte Künste und Geschlecht in der Moderne, hg. v. Dies. u. Christina Threuter, Marburg 1999, S. 16–29.

 


4. Netzwerktreffen: Kunsthistorikerinnen in Instituts- und Wissenschaftsgeschichte (SoSe 2022)

Universität Köln

29.- 30. April 2022

Themenschwerpunkt des vierten Treffens in Köln war durch den (hybriden) Abendvortrag der eingeladenen Gäste gegeben: Prof. Dr. Susanne Wittekind stellte gemeinsam mit Claudia Holländer und Klara Niemann ihr Forschungsprojekt Institutsgeschichte anders schreiben. 100 Jahr Kunsthistorisches Institut der Universität zu Köln vor.

Wittekind präsentierte ihre umfangreiche Erforschung der Geschichte des kunsthistorischen Instituts, die sie gemeinsam mit Studierenden über mehrere Jahre hinweg erarbeitet hat. Das von Wittekind vorangetriebene Forschungsprojekt betrachtet nicht nur die professoralen Lehrstühle, sondern nimmt vielmehr das Institut als Lebens- und Arbeitsort von Studierenden, Doktorand:innen,  und wissenschaftlichem und technischem Personal in den Blick. Diese Forschung ist bereits teilweise auf einem Blog veröffentlicht  (https://khikoeln.hypotheses.org). In der anschließenden Diskussion lag ein Interessenschwerpunkt der Netzwerkmitglieder auf methodischen Fragen. Die Notwendigkeit die systematische, institutsübergreifende Erhebung der Promotionsakten und Institutskulturen anzugehen wurde deutlich, da so eine Datenbank neue Erkenntnisse über Instituts- und Wissenschaftskulturen insbesondere mit Blick auf das Geschlechterverhältnis und die geschlechtsspezifischen Handlungsräume ermöglichen würde.

 

Zweiter Schwerpunkt des Treffens waren zwei Workshops. Im ersten Workshop wurden Inhalte für den Instagram Account @kunst*innen erstellt. Mit dem Account wird das im Netzwerk erarbeitete Wissen für Studierende und die interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Jeweils einmal im Monat wird eine Kunsthistorikerin oder ein Thema der Kunsthistorikerinnen-Geschichte gepostet. Der Instagram Account wurde in Zusammenarbeit mit dem Grafik Büro Rimini Berlin und mit finanzieller Unterstützung des Ulmer Verein erarbeitet.  (https://www.instagram.com/kunst.innen/).

 

Der zweite Workshop war inhaltlichen Diskussionen mit Ergebnissicherung gewidmet, die ein Teil des zweiten (im Rahmen des Netzwerks herausgegebenen) Bandes „Kunsthistorikerinnen 1910–1980, Band 2: Institutionen – Strukturen – Analysen“ (AT) werden.

In die Geschichte Kölns eintauchend besuchte das Netzwerk auf den Spuren des Sammlerpaares Adolf und Frieda Fischer das Museum für Ostasiatische Kunst. Die Historikerin Bettina Clever führte uns mit einer Vielzahl von Archivalien in die Geschichte des Hauses und des Sammlerpaares ein. Nachdem Fischers Anfang des 20. Jahrhunderts das Museum gebaut und eröffnet hatten starb Adolf Fischer verfrüht, so dass Frieda Fischer-Wieruszowski von 1914 bis zu ihrer Entlassung durch die Gestapo im Jahr 1944 Museumsdirektorin war. In der Diskussion ging es lebhaft um die Rolle asiatischer Kunst im Kaiserreich und der Weimarer Republik, der Direktorin im männerdominierten Umfeld, und wiederum um die Frage nach der Rolle von Kunsthistorikerinnen und Sammlerinnen im Feld der asiatischen Künste.