Wege – Methoden – Kritiken: Kunsthistorikerinnen 1880–1970

Wege – Methoden – Kritiken: Kunsthistorikerinnen 1880–1970

 

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Das Netzwerk zielt auf die Erschließung des Anteils deutschsprachiger Kunsthistorikerinnen an der Geschichte der Disziplin zwischen circa 1880 und 1970. Hierfür soll das Werk der ersten akademisch ausgebildeten Kunsthistorikerinnen analysiert, wissenschafts- und kulturhistorisch verortet und ihr nationales wie internationales Wirkungsfeld rekonstruiert werden. Jenseits einer bloßen Sammlung von Biografien untersucht das Netzwerk das Innovationspotential, das die sozial- wie institutionsgeschichtlich bedingte Sonderstellung von Frauen ihnen in der frühen Fachgeschichte eröffnete. Besonderes Augenmerk liegt auf der Frage, inwiefern sich ihre Ansätze in die Entwicklung der Disziplin eingeschrieben haben und welche Impulse sie für die heutige Kunstgeschichte, zumal angesichts des gesteigerten Interesses an außereuropäischer Kunstgeschichte, materieller Kultur und architekturbezogener Raumforschung, bereithalten.
Während Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur zahlreich, sondern auch erfolgreich publizistisch, kuratorisch, lehrend und im Kunsthandel tätig waren, sind ihre Leistungen heute kaum mehr bekannt. Das Projekt zielt daher auf eine Wiederentdeckung und vergleichende Analyse der Fragestellungen, Theorien und Methoden, die Kunsthistorikerinnen in der Institutio-nalisierungsphase der Disziplin entwickelt haben, der Gegenstandsbereiche die sie für die Disziplin erschlossen haben, und ihrer Wirkungsmöglichkeiten und Einflussnahmen in einem dezidiert internationalen professionellen Rahmen. Dabei geraten auch die institutionellen, wissenschaftshistorischen und (gender-)politischen Ein- und Ausschlussmechanismen in den Blick, die, insbesondere vor dem Hintergrund von Flucht und Verfolgung im Nationalsozialismus, zu ihrer heutigen Unsichtbarkeit geführt haben.
Bei der angestrebten ‚Wiederentdeckung’ geht es jenseits von Geniekult und Kanonbildung um die Erweiterung der methodischen, materiellen und kulturellen Diversität des Faches. Nur wenn wieder präsent wird, welche vielfältigen Gegenstände die ersten akademisch ausgebildeten Kunsthistorikerinnen durch ihre spezifischen Lebenserfahrungen, sozialen Hintergründe, Berufswege und Wissenshorizonte für die Disziplin erschlossen haben, welche Methoden sie entwickelt bzw. modifiziert, welche medialen, sprachlichen und ästhetischen Vermittlungsformen sie gefunden und welche Wirkungsfelder und Netzwerke sie für sich etabliert haben, lässt sich die Geschichte der Kunstgeschichte – und damit auch der Kunst – polyperspektivisch erfassen und dynamisieren. Damit leistet das Netzwerk einen Beitrag zur kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte der Geisteswissenschaften.

Förderung

Deutsche Forschungsgemeinschaft

 

English version

Paths – Methods – Critiques: Women Art Historians 1880–1970

The network aims to reconsider the contributions of the first generation of academically trained German-speaking women art historians to the discipline between circa 1880 and 1970. This entails analyzing their work, contextualizing it in the history of the humanities and culture in general, and reconstructing their national and international agency. Beyond a mere collection of biographies, the network aims to examine the innovation potential arising from the social and institutional constraints women encountered in the foundational period of the discipline. In how far are their approaches to the theorization and advancement of art inscribed within the history and methods of art history, and which impulses can they give today, especially in view of the growing interest in non-European art, material culture, and architectural theory?
While women art historians were not only numerous in the early 20th century but also successfully published, curated, taught, and dealt with art, their work is almost completely unknown today. The project therefore will reinvestigate and comparatively analyze the questions these women raised, the problems they addressed, the theories and methods they developed, and the subject-matters they pioneered. It will furthermore examine their agency within a decidedly international professional field. This will comprise a survey of the institutional, disciplinary, and (gender-)political mechanisms of exclusion and discrimination which, especially against the background of prosecution and exile during National Socialism, contributed to their current invisibility.
Far from partaking in a cult of genius and canonization, this act of ‘rediscovery’ is aimed towards expanding the methodological, material, and cultural diversity of the art-historical discipline. Only if we recall the manifold subject-matters treated by the first female art historians due to their specific life experiences, social backgrounds, carrier paths, networks, and knowledge systems, and only if we reconsider the methods they developed or modified, and the medial, stylistic, and aesthetic forms of communication they developed, can the history of art history—and hence of art—be perspectivally enriched and rendered more dynamic. With this project, the network hopes to contribute to a critical reevaluation of the history of the humanities.