Professur für Bildkulturen des Mittelalters

Professur für Bildkulturen des Mittelalters

Prof. Dr. Kathrin Müller

Professorin für Bildkulturen des Mittelalters
Geschäftsführende Direktorin

Raum: 3.34
Tel:  030.2093-66210
Fax: 030.2093-66204
kathrin.mueller.6@hu-berlin.de

weitere Informationen

Die Professur für Bildkulturen des Mittelalters eröffnet Perspektiven auf die Vielfalt der visuellen Kultur des Mittelalters. Sie widmet sich zum einen der kulturgeschichtlichen Kontextualisierung von Bildwerken, zum anderen medienspezifischen Fragen von Form, Gestaltung und Materialität. Ein zentraler Gedanke ist dabei, dass die Bildwerke der Weltaneignung, Identitätsbildung und Strukturierung von Wirklichkeit dienten. Zu den Schwerpunkten in Lehre und Forschung zählen kulturspezifische Objekt- und Bildpraktiken; Gestaltung und Gebrauch religiöser Geräte; die Transformation des Fremden in visuellen und sprachlichen Medien sowie die Beziehungen zwischen visueller Kultur, Naturkunde und Naturphilosophie. Weitere Themen sind die sinnlichen Qualitäten von Objekten sowie die Konstruktion von Geschlecht durch Artefakte. Der Fokus richtet sich dabei auf das lateinische Europa mit seinen transreligiösen und transkulturellen Dimensionen. Dabei geht es auch um Fragen nach dem Fortdauern und der Aktualität mittelalterlicher Bildkulturen.

Sekretariat
Jenni Hietalahti

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Dr. Jitske Jasperse

Studentische Hilfskräfte
Caroline Herma, Leon Pschierer

Aktuelle Stellenausschreibung
Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in (m/w/d) befristet für 1 1/2 Jahre an der Professur für Bildkulturen des Mittelalters
Kennziffer: AN/216/20
Ende der Bewerbungsfrist: 04.11.2020

 

Aktuelle Publikationen:

Kathrin Müller
Musterhaft naturgetreu. Tiere in Seiden, Zeichnungen und Tapisserien des 14. und 15. Jahrhunderts

Neue Frankfurter Forschungen zur Kunst, Bd. 21
Berlin, Gebr. Mann Verlag, 2020
Das Buch verknüpft auf innovative Weise die Analyse von Tierdarstellungen in drei unterschiedlichen Objektgruppen. Es beginnt mit der Betrachtung spätmittelalterlicher Seidenmuster, die sich durch eine große Vielfalt an lebhaften Tiermotiven auszeichnen. Als jedoch im frühen 15. Jahrhundert abstrakte Pflanzenornamente aufkamen, verschwanden die Tiere. Das Buch folgt ihren medialen Transformationen. Es geht den Exotismen nach und macht die Tiere der Jagd zu seinen Protagonisten. Sie wurden seit der Zeit um 1400 auch von Künstlern wie Giovannino de’ Grassi und Antonio Pisanello studiert. Im höfischen Kontext entstanden nun beeindruckend naturalistische Tierzeichnungen. Zugleich avancierten die Tapisserien zum Terrain naturgetreuer Darstellungen, in denen die Freuden der Jagd im großen Stil erfahrbar waren. Das Buch verdeutlicht nicht nur die medialen Manifestationen höfischer Imaginations- und Identitätswelten, sondern bietet auch eine neue Sicht auf den Naturalismus in den Bildkünsten des 15. Jahrhunderts.
Inhaltsverzeichnis und Leseprobe

 

‚Maß und Maßlosigkeit im Mittelalter‘, hg. Isabelle Mandrella und Kathrin Müller, Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung 23.1 (2018)

Die Fragen nach Maß und Maßlosigkeit umreißen ein gleichermaßen aktuelles wie spezifisch mittelalterliches Thema. Aus einer gegenwartskritischen Perspektive beschäftigt sich die geisteswissenschaftliche Forschung – auf dem Gebiet der Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Musik- und Theaterwissenschaft, Geschichte, Theologie und Philosophie – seit einiger Zeit intensiver mit Phänomenen des Exzesses. Als Übermaß an Datentransfers, Warenproduktion, Umweltzerstörung oder Kriegsgewalt haben sie ein verunsicherndes bis zerstörerisches Potential, das der Einforderung eines rechten Maßes – nicht selten als ‚Rückkehr‘ zu einem maßvollen Leben aufgefasst – neues Gewicht verleiht. Die Mediävistik kann zu einer Einordnung dieses ‚modernen‘ Empfindens Wichtiges beitragen, indem sie nach den Konzepten wie Praktiken von Maß und Maßlosigkeit in einer Zeit fragt, in der das Verständnis der Welt als göttliche Schöpfung eine (vermeintlich) stabile Referenzordnung bot. Dennoch bleibt für das Mittelalter genauer zu klären, auf welche Weise die Vorstellung von einer maßvollen Welt normativ wirkte und ob sämtliche Auffassungen von Maß und Maßlosigkeit in ihr aufgingen. Damit geht es um die (Selbst-)Verortung des Menschen im kosmologischen Ordnungsmodell, und dies in unterschiedlichsten Bereichen seines Denkens und Handelns.

 

Jitske Jasperse, Medieval Women, Material Culture, and Power: Matilda Plantagenet and her Sisters

Leeds, Arc Humanities Press, 2020

This book argues that the impressive range of belongings that can be connected to Matilda Plantagenet, duchess of Saxony – textiles, illuminated manuscripts, coins, chronicles, charters, and literary texts – and her sisters allows us to perceive elite women’s performance of power, even when they are largely absent from the official documentary account. The material traces connected to Matilda and some of her contemporaries show the importance of women as makers of material culture, as well as the dual agency of women and their objects in the consolidation of their very real, if all but unwritten, power. It is especially through the visual record of material culture that we can hear female voices, showing that women were capable of impacting their own lives as well as that of others, even if charters and chronicles fail to mention so. This forces us to redefine assumptions about power for sparsely-documented noblewomen.

Also in Open Access (free download).

 

‚Getting the Sense(s) of Small Things/Sinn und Sinnlichkeit kleiner Dinge,‘ eds. Karen Dempsey and Jitske Jasperse, Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung 25.2 (2020)

This issue of ‘Das Mittelalter’ explores the voice of small things. The contributions to this volume are united in the idea that the senses are important vehicles for understanding people’s interactions with objects as well as the way these things impacted on their users or owners. Questioning the dominance of sight challenges medievalists to take into account the fullest possible range of senses and to incorporate the interplay of multiple senses. By doing so a more nuanced understanding of sensory experiences can be gained, something we set out to explore by specifically addressing miniature scale, an inescapable characteristic that impacts things’ potency. As we show here, this power of the small has important stories to tell. In addition to surviving miniature artefacts themselves, references to such items are abundant and offer still untapped sources to be studied from different disciplines. We therefore envision that medievalists will bring more of an experiential focus to ‘think with objects’ as well as ‘think with people’ thereby bringing emotions and senses to the fore in interpretations.